Jahrelang hat die Konzernspitze den Kopf in den Sand gesteckt, jetzt hält sie die Hand auf: Die Deutsche Telekom verlangt wegen der Verabschiedung strikter IT-Sicherheitsvorschriften Entschädigung von der Bundesregierung. Die Manager ahnen offenkundig, dass bald Schluss sein dürfte mit der engen Verbindung zu ihrem Lieblingslieferanten, dem chinesischen Industriechampion Huawei.

Das am Freitag beschlossene Gesetz zur Netzsicherheit schreibt ein Genehmigungsverfahren vor, das für chinesische Tech-Firmen zur unüberwindbaren Hürde werden kann. Den Schaden hat die Telekom, die Huawei als „Schlüssel für unsere 5G-Pläne“  sah.

Doch bevor der frühere deutsche Staatsmonopolist den Preis für seine verfehlte Einkaufspolitik selbst zahlt, versucht er die Rechnung an die Steuerzahler weiterzureichen. Das nennt man Chuzpe. Kurz vor der entscheidenden Abstimmung im Bundestag verschickten Lobbyisten eine Mail an Koalitionsabgeordnete, in der sie die „Aufnahme einer Entschädigungsregelung“ als „zwingend“ bezeichneten.

Eine „Formulierungshilfe“ für den einschlägigen Paragrafen lieferten sie gleich mit: „Sofern die Untersagung des Einsatzes kritischer Komponenten nicht auf Verschulden der Betreiber Kritischer Infrastrukturen zurückzuführen ist“, seien dem Betreiber die „nachweislich entstandenen Mehrkosten“ zu erstatten.

Quelle: Handelsblatt